TLDR; Die CMCX am 12.03.19 war geprägt von vielen sehr guten Einblicken in die Content Bemühungen der Marken. Sie bot einiges Neues, aber auch vieles, was eigentlich schon Usus sein sollte. Relevanz und Content Themen waren die meist verwendeten Begriffe in den Vorträgen, allerdings aus meiner Sicht nicht immer im korrekten Context. Hier ist noch viel Luft nach oben!

Die Anreise zur Content Marketing Conference & Exposition

Kurz gesagt – perfekt organisiert, mit Shuttlebus und Hinweisschildern, so wie man es von einer professionellen Veranstaltung im Rahmen einer weiteren professionellen Veranstaltung, der Internet World Business, erwarten durfte.

Infrastruktur und Versorgung

Freies WLAN? Fehlanzeige. Dafür die üblichen recht happigen Preise an den Verpflegungsständen. Daran ist man ja mittlerweile schon fast gewöhnt, erstaunlich ist das trotzdem immer wieder.

3 Bühnen, viele Slots

Glücklicherweise gab es nicht viele Slots, die parallel liefen und so spannend waren, dass man sich hätte teilen können. Ich hatte doch recht schnell meine Favoriten und dank kurzer Wege und reichlich Platz war eine Teilnahme in den Vorträgen auch kein Problem. Die Akustik war allerdings dann doch manchmal recht anstrengend, bedingt durch die Große Halle (C5) der Messe München und den hohen Grundpegel.

Keynote von McDonalds – Content Marketing. Wirklich Mehrwert für etablierte Marken.

  • Kurzweilig, unterhaltsam, sympathisch

Das war mal ein sehr gelungener Einstieg in den Tag. Die Keynote hat mir wirklich Spaß gemacht. Danke dafür, Susan Schramm!

Quintessenz:

  • Höhere Qualität des Contents notwendig
  • Inhalte mit klaren Intentionen und Link zur Marke wichtig
  • Positive Grundstimmung zur Marke muss immer gegeben sein
  • Content Marketing ist EGOFREIE Zone (that made my day!)
  • Relevanz = Must Have für hochwertigen Content
  • Relevanz = „around the product“ und nicht „about the product“

In diesem Vortrag habe ich mich 100%ig wiedergefunden. Leider hielt das Niveau nicht bis zum Schluss der Veranstaltung.

DSGV – Wie die Sparkassen alle Kommunikations- und Marketingdisziplinen im Newsroom zusammenbringen

  • Interessant, etwas anstrengend, ambitioniert

Ich war lange Jahre lang Banker bei der Sparkasse und weiß, dass es für solch eine eher konservativ und traditionell aufgestellte Bank schon einiges bedeutet, Teams zusammenzubringen, sich im Bereich Kommunikation als Matrix Organisation zu präsentieren und demokratische Entscheidungen zu fördern.

Die Sparkasse auf der CMCX

Die Sparkasse auf der CMCX

Quintessenz:

  • Content muss Teil der Gesamtkampagne sein
  • Gute Kommunikation nimmt Blickwinkel des Nutzers ein
  • Sparkasse arbeitet hier mit selbst entwickelten Personas
  • Aufgabe des Content Marketing liegt im Aufbau von Vertrauen und Reputation

 

 

 

Relevanz wird bei der Sparkasse aus meiner Sicht im Sinne einer Passung zu Unternehmenszielen und Strategie gesehen, nicht aber im Sinne des Nutzers. Dieser Eindruck entstand im Laufe des Vortrages und deckt sich mit meinem Bild der Sparkasse. Ist das nun schlecht? Nicht unbedingt, wenn diese Strategie dem Zwecke dient. Ich persönlich sehe da noch Luft nach oben.

Kompass der Sparkasse zur Content-Entwicklung

Kompass der Sparkasse zur Content-Entwicklung

 

Scompler zusammen mit dem Düsseldorfer Flughafen auf der CMCX

Scompler zusammen mit dem Düsseldorfer Flughafen auf der CMCX

Flughafen Düsseldorf und Scompler – Mit Excel geht das nicht. Wie Content Marketing Plattformen den Wandel im Unternehmen ermöglichen.

  • Interessant, werblich, unterhaltsam

Hier wurde es etwas werblicher. Man merkte schon, dass dieser Slot darauf ausgelegt war, dass Mirko Lange sein Tool in einem guten Licht zeigt. Dass Scompler tatsächlich sehr durchdacht ist und eine wirkliche Hilfestellung bietet, sobald es beim Content Marketing komplexer wird, dass möchte ich auch nicht in Frage stellen.

Quintessenz:

  • Verstopfte Kanäle im Netz, dramatische Entwicklung bei der Aufnahmebereitschaft der Nutzer
  • Content wird komplexer
  • Content ist nicht gleich Kanal
  • Content ist gleich Thema
  • Nicht der Kanal, sondern die Story steht im Mittelpunkt

Auf meine Nachfrage zur Bewertung von Relevanz von Themen gab es auch hier wieder die klare Passung zum Unternehmen. Wenn ein Thema für das Unternehmen, die Ziele und die Strategie relevant ist, dann wird ein Thema gespielt.

Scompler über die verstopften Kanäle im Netz

COOP – Content Marketing als Business Treiber – mit der richtigen Strategie und den richtigen Partnern zum Markterfolg

  • Beeindruckend, umfassend, konsequent

COOP ist in der Schweiz ein Gigant, eine Marktmacht. Und das merkte man auch am Vortrag. Thomas Schwetje zeigte zwar einige Insights und auch ein paar Erkenntnisse, aber der Grundtenor war: wir geben den Takt vor und wer nicht mittanzt, der kann bleiben wo der Pfeffer wächst.

Quintessenz:

  • COOP macht schon seit vielen Jahren Content Marketing, anfangs eher unbewusst, heute strategisch und sehr komplex
  • Erfolg wird konsequent gemessen
  • Sehr starke Automation aufgrund der vielen Themen und Kanäle
  • Abhängigkeiten vom Dienstleister sind ein No Go – jeder muss austauschbar sein

So ehrlich diese Aussage auch war, so frustrierend wird sie sicherlich für einige im Saal gewesen sein, die sich jetzt etwas vom Kuchen erhofft haben. Aber es war beeindruckend, wie COOP im Bereich Content aufgestellt ist und mit welcher Konsequenz Content Marketing betrieben wird.

Krones AG – Newsroom-Konzept statt Silo-Denken: Der Weg zur Krones Content Arena

  • Prozessgetrieben, groß, etwas naiv
Großes Content Team bei Krones

Großes Content Team bei Krones

Wie soll ich es am besten formulieren? Ein Content Team arbeitet in der Content Arena an Content Themen. Soweit so ambitioniert. Mit 35 festen Mitarbeitern und 16 Studenten ist das Team doch rechtlich sportlich groß. Gut, Krones ist auch keine kleine Butze.

Quintessenz:

  • Verschiedene Zielgruppen brauchen verschiedene Strategien (B2B, B2C, etc)
  • Herausforderung: viele Beteiligte am Content Prozess
  • Ohne toolgestützte Kommunikation geht es nicht

Allerdings war die Antwort auf meine Frage nach definierten KPI zur Erfolgsmessung dann doch sehr ernüchternd: „Haben wir noch keine“. What? Über 40 Leute arbeiten an Content, an Social und an SEO und es gibt keine messbaren Ziele? Respekt, dachte ich so bei mir, viel Geld zum Fenster hinausgeblasen. Krones ist jetzt auch kein Anbieter eines sexy Produktes für den Endverbraucher, sondern Anlagenbauer. Da fand ich das dann schon „interessant“, wie „naiv“ hier zu Werke gegangen wird, wenngleich der ganze Prozessaufbau einen durchaus professionellen und durchdachten Anschein machte. Bis auf die Ziele, aber wer braucht schon Ziele.

Panel-Diskussion mit Hapag-Lloyd, Eppendorf, Unitymedia NRW und Toyota

Den krönenden Abschluss bildete ein ausschließlich mit Frauen besetztes Panel, das von der durchweg eloquenten und witzigen Svenja Teichmann, die durch den ganzen Tag auf der Statler-Stage führte, moderiert wurde.

Hier ging es noch einmal um Erfahrungen, Erkenntnisse und Tipps zum richtigen Umgang mit Content. Der für mich prägnanteste Satz, der das aktuelle Content-Dilemma am besten zusammenfasste, stammt von Nadine Berger, Head of Digital Business bei Toyota Deutschland:

„Stoppt die digitale Umweltverschmutzung! Wir brauchen nicht noch mehr Datenmüll!“

Mit diesem Credo kann ich auch mein Resümee ziehen:

Der Markt wandelt sich hin zu hochwertigem und gehaltvollem Content. Allerdings werden die Nutzer nach wie vor zu oft außen vorgelassen und es herrscht eine von innen heraus gerichtete Denkweise vor. In Bezug auf Unternehmensziele und Unternehmensstrategie ist das nachvollziehbar, mit Blick auf organischen Erfolg von Content ist das sträflich leichtsinnig. KI kommt bei der Contenterstellung noch nicht wirklich zum Einsatz, wenngleich es durchaus Anbieter gibt, die entsprechende Lösungen im Portfolio haben.

Für mich hat sich die CMCX gelohnt, schon allein durch die Tatsache, dass man abseits der Vorträge und Workshops richtig gut „schnacken“ konnte. 😊

Jan Pötzscher leitet und verantwortet als Head of Account Management die Kundenprojekte. Als erfahrener Blogger und Social SEO Experte bringt er sich zu dem auch fachlich in interne und externe Projekte mit ein.