Am 5. und 6. November 2018 fand in Berlin die größte Netzwerkveranstaltung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) statt. Wir waren vor Ort und haben uns über aktuelle Trends, Innovationen und Herausforderungen der Branche informiert.

Bettina Cramer VDZDer VDZ brachte als Dachverband auf dem Publisher Summit die Entscheider aus Medien, Politik und Wirtschaft zusammen. Kernthemen der Veranstaltung waren die Pressefreiheit und die Digitalisierung, die für die Verlage aktuell die wohl größte Herausforderung darstellen. Ein Blick in das Programm verriet bereits vorher, dass sogar die Politik mit zwei hochrangigen Gastrednern teilnehmen wird. Dies unterstreicht erneut, welche Bedeutung der direkte Austausch zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien hat.

 

Kampf um Aufmerksamkeit des Nutzers kennt keine Grenzen

VDZ-Präsident Dr. Rudolf Thiemann eröffnete den Summit mit seiner Keynote. Gleich zu Beginn betonte er, dass es sich bei dieser Veranstaltung nicht nur um eine jährliche Konferenz handelt.  Sondern vielmehr um ein Signal der Branche nach außen, um wichtige Werte zu vertreten. Thiemann verwies in seiner Rede auf den fundamentalen Wandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Und damit auf die Auflösung der traditionellen und übersichtlichen Medien- und Kommunikationslandschaft.

Er sprach von einer enormen Explosion der Angebote im Informations- und Unterhaltungssektor. In der Folge ist ein Kampf um die Aufmerksamkeit des Nutzers entbrannt, der keine Grenzen mehr kennt.

Auch die Folgen der E-Privacy-Verordnung waren Bestandteil seiner Rede. Thiemann kennzeichnete sie als Bedrohung für die Presseverlage. Er sprach von Einschnitten bei der Produktgestaltung, Behinderungen beim Verkauf und bei der Reichweitenmessung. Er forderte die Politik auf, die Presse zu unterstützen und empfahl den Verlagshäusern, die klassischen sowie digitalen Vertriebswege zu verbessern.

Die Relevanz des Netzwerks in Zeiten der Transformation

Im weiteren Tagesverlauf kamen in verschiedenen Impulsvorträgen aktuelle Themen zur Sprache. Und welche Auswirkungen, die durch die Digitalisierung angestoßene Transformation für Unternehmen und Konsumenten zugleich hat. Zuvor kommentierte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer die folgenden Vorträge wie folgt: „Der gemeinsame Dialog über die eigene Branche hinaus ist unerlässlich in einer vernetzen globalisierten Wirtschaft und damit ein Hauptbestandteil des Publishers‘ Summit.“

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom, erklärte in seinem Vortrag, welche Veränderungen 5G bringt und welchen Beitrag sein Unternehmen für ein wettbewerbsfähiges Europa leistet.

Impulsvortrag zu 5G auf dem VDZ Publisher Summit

Mit der „Tolino-Story“ stellte Michael Busch, Vorsitzender der Geschäftsführung von Thalia, die Allianz von Bertelsmann, Hugendubel, Weltbild und Thalia vor. Er erklärte, wie sich der Wettstreit der globalen Player vor dem Hintergrund des veränderten Nutzerverhaltens und der internationalen Konkurrenz auf dem E-Reader-Markt gestaltet.

Auch Britta Seeger, Vorstandsmitglied Daimler, ging auf die Digitalisierung ein und berichtete über deren Chancen und Herausforderungen.

Altmeier auf dem VDZ Publisher Summit

Die Unabhängigkeit von Google und Amazon

Nach dem Publishers‘ Lunch ging es gestärkt mit dem Gastvortrag von Peter Altmaier, dem Bundesminister für Wirtschaft und Energie, im Tagesprogramm weiter. Altmaier würdigte in seinem Vortrag noch einmal das Engagement des VDZ – insbesondere für die Pressefreiheit.

Der Bundesminister mahnte den Aufbau einer zentralen Plattform an, auf der die Medienbranche in Deutschland die Möglichkeit hat, Inhalte selbst aktiv zu bestimmen und zu gestalten. Ziel sollte es sein, sich von den großen globalen Plattformen wie Google, Amazon oder Facebook unabhängiger zu machen.

 

Künstliche Intelligenz als Entlastung einsetzen

Besonders interessant war der Future Talk zum Thema „Zeitschriften und Medien im Context von Machine Learning, Artificial Intelligence, Blockchain, Mobile, Communities, Digitalisierung und Disruption“.

Am Panel nahmen Verlagsvertreter und Marktpartner teil und sprachen über die Zukunft und aktuellen Trends und Themen der Medienlandschaft. Auch hier ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz ein absolutes Top-Thema. Manuela Kampp-Wirtz, Chefin von BurdaStyle, schloss im Talk jedenfalls nicht aus, dass KI irgendwann in der Lage sein wird, eigenständig Texte zu erstellen. Bei BurdaStyle wird künstliche Intelligenz bereits für die automatische Verschlagwortung von Datenbanken genutzt. Das ist eine große Entlastung für Journalisten.

Alle sprechen von Zukunft – doch wen interessiert es am Ende wirklich?

Kurz vor Ende des ersten Tages präsentierten junge Mitarbeiter aus den Verlagen neue Ideen für die Zukunft von Journalismus und Verlagsarbeit. Sie sprachen über die Perspektiven der nächsten Generation. Dabei ging es um den Einfluss dieser Menschen auf den aktuellen Medienwandel, traditionelle Verlagsmodelle und die Arbeitswelt. Offensichtlich hatte der Großteil der Teilnehmer allerdings nur bedingt Interesse an den Zukunftsvisionen der jüngeren Generation – denn die Stuhlreihen lichteten sich.

Sehr schade, denn wer den Veranstaltungstag zuvor aufmerksam verfolgt hat, dem hätte eins auffallen müssen. Dass die Zukunft der Medienbranche und der Wandel in der Wirtschaft und Gesellschaft in nahezu jedem vorherigen Beitrag ein wichtiges Thema war.

Welche Impulse sind also wichtiger als die neuen Ideen für die Zukunft, wenn sie sogar von einer jungen Generation kommen?! Jan Schipmann von Hyperbole TV kommentierte den halbleeren Saal mit folgenden zutreffenden Worten: „Die Printbranche ist halbtot, weil sie bei solchen Programmpunkten Kaffeetrinken geht.“