Sven Biechteler arbeitet seit Februar bei uns als Developer. Wir haben mit dem sympathischen Radebeuler über Cognitive Computing und die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für die Zukunft der Programmierung gesprochen.

Daniela: Hallo Sven und herzlich willkommen im semcona Team! Stell Dich doch bitte unseren Lesern erst einmal kurz vor!

Sven: „Hallo Welt“ muss ich als Developer an dieser Stelle natürlich standesgemäß sagen ?. Dabei bin ich ursprünglich gar kein ausgebildeter Entwickler, sondern Kaufmann. Mitte der 90er Jahre im vergangenen Jahrtausend – oh Mann bin ich schon so alt? – bin ich über ein IT-Praktikum bei der T-Systems in diese Richtung geraten. Damals war das Internet für die meisten noch was ganz Neues und eigentlich konnte jeder Interessierte leicht als Quereinsteiger in das IT-Umfeld wechseln. Da ich eher ein visueller, durchaus auch kreativer Typ bin, ich aber gleichzeitig auch ein Faible für Software-Programmierung und -Animation habe, war die Multimedia-Schiene genau das Richtige für mich.

Und so bin ich seit dieser Zeit etwas interdisziplinär über verschiedene berufliche Stationen in diesem Feld tätig. Bis vor ca. drei Jahren hauptsächlich in den Bereichen Konzept, Grafik und Programmierung / Animation von Adobe Flash Webinhalten. Im Anschluss daran habe ich dann umgeschwenkt auf Website-Entwicklung (Typo3, WordPress, PHP/Laravel).

Ja, und nun semcona. Da ich praktisch alle meine Kollegen bereits aus früheren beruflichen Stationen kenne, fühlt es sich ein wenig an wie Heimkommen. Danke an Euch für die nette Aufnahme im Team ?. Privat halten mich übrigens zwei Kinder, eine Frau und ein Haus(bau) gut auf Trab.

Daniela: Worauf freust Du Dich bei deiner neuen Aufgabe am meisten und was ist für Dich die größte Herausforderung?

Nie ist das menschliche Gemüt heiterer gestimmt, als wenn es seine richtige Arbeit gefunden hat.« Alexander von Humboldt (*1769 – †1859)

…und das richtige Arbeitsumfeld/Arbeitskollektiv möchte ich dem noch hinzufügen.

Sven: Auf dieses Zitat bin ich neulich im Netz gestoßen – und für die Beantwortung dieser Frage, finde ich, ist es eine treffende Einleitung. Denn es ist in der Tat die Mischung aus sehr angenehmem Arbeitsumfeld und Miteinander und den vielseitigen und interessanten Arbeitsinhalten bei semcona, welche mich sehr zufrieden mit meinem neuen Job machen.

Worauf ich mich freue? Darauf, dass bei unseren Smart Relevance Solutions spannende Weiterentwicklungen anstehen und semcona damit das digitale Marketing und den Online-Werbemarkt noch weiter aufmischen wird!

Smart Relevance Solutions nutzen die CONTEXTSUITE unseres Partners MORESOPHY. Diese basiert auf Künstlicher Intelligenz, auf echtem Machine Learning. Stichwort: Cognitive Computing. Sie kann Textinhalte aus dem Netz analysieren und wirklich „verstehen“. Sie zerlegt den Text nicht einfach nur in einzelne Terme und Wörter, sondern sie erkennt tatsächlich, worüber und in welcher emotionalen Stimmung geschrieben wird. Und sie lernt selbstständig dazu! Das ist auch für mich als jemandem, der softwareprogrammtechnische Abläufe verstehen kann, unglaublich faszinierend und magisch.

Auf dieser Basis können mit Smart Relevance Optimization (SRO) Beiträge auf der Grundlage von Smart Relevance Research (SRR) redaktionell gezielt optimiert und mit für Nutzer relevanten Informationen angereichert werden – mit teilweise enorm positiven Effekten auf das organische Suchergebnis-Ranking (SERP). Denn was Nutzer interessiert, findet auch Google interessant. Googles Ranking wird zu großen Teilen von Semantik beeinflusst, also der inhaltlichen Bedeutung eines Textes. Texten, denen eine hohe Relevanz zum vom Nutzer Gesuchten beigemessen werden, werden an vorderen Plätzen präsentiert.

Mit unserem Smart Relevance Advertising können künftig auch die Streuung von Online-Werbung nach dem Gießkannenprinzip vermieden, leidiges Hate-Speech automatisch erkannt und damit der Nutzen für Advertiser, aber auch Onliner, massiv erhöht werden.

Die größte Herausforderung für mich? Nun, anspruchsvoll sind natürlich die täglichen anliegenden Projekte und Aufgaben. Aber als generelle Herausforderung unserer Zeit würde ich durchaus die (nicht nur im Berufsleben) allgegenwärtige Alles-muss-und-das-sofort-ganz-dringend-Mentalität betrachten. Viele Aufgaben wollen zeitgleich und sofort erledigt werden – selbstredend aber gleichzeitig mit hoher Sorgfalt und Qualität! Wir Menschen versuchen zu arbeiten wie unsere Computer, sind jedoch ganz schlecht im Multithreading.

Doch es hat die Schöpferkraft des Menschen schon immer stark beflügelt, wenn es darum ging, sich sein Leben leichter, bequemer und komfortabler zu gestalten. Daher könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass auch diese Problematik eines Tages in den Fokus von KI-Entwicklern rückt: Das automatisierte Verstehen, Bewerten, Priorisieren, Vorbereiten und sogar Abarbeiten und Lösen von ungenormten Aufgaben und Problemstellungen. Damit sich der Mensch wieder öfter und besser auf bestimmte Aufgaben fokussieren und konzentrieren kann. Oder auch damit einfach etwas zusätzliche Zeit frei wird, um gesellig beieinanderzusitzen und herzlich miteinander zu lachen. Denn das ist es, was uns Menschen wohl noch lange von einer Maschine unterscheiden wird: Unsere Fähigkeit zur Empathie und Freude.

Daniela: Künstliche Intelligenz ist ja in aller Munde. Glaubst Du, dass Roboter dir zukünftig den Job wegnehmen werden bzw. was denkst Du, welche Bedeutung wird KI zukünftig in der Programmierung haben?

Sven: Nun, da hast du mir eine ziemlich gewaltige Frage gestellt, die natürlich kaum tiefschürfend in diesem Format zu beantworten ist. Wenn ich die Frage wörtlich nehme, würde ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Nein, ich persönlich werde es nicht mehr erleben, dass sich ein Roboter – welcher per se ja konstruiert ist, mechanische Vorgänge durchzuführen – auf meinen Bürostuhl setzen wird und so schöne Websites baut wie ich ?. Aber im Ernst: Grundsätzlich stehen schon mit dem heutigen Stand der Technik Berufsbilder wie Lkw-Fahrer, Postbote, Callcenteragent und viele Jobs im Bereich von Controlling und Kundenberatung zur Disposition. Sogar der mit eigenen Händen operierende Chirurg bekommt durch Roboter und KI Unterstützung (und Konkurrenz?). Ein großer japanischer Versicherer vermeldete bspw. in diesem Jahr die Ersetzung von mehreren Mitarbeitern durch IBMs Watson.

Und um auf den Teil 2 deiner Frage zu antworten, welche Bedeutung KI in der Programmierung haben wird: Im Rahmen des Machine Learnings – einem Teilaspekt der KI – eine äußerst entscheidende! Es ist hier u.a. Google ja bereits gelungen, dass KI-Software ihre eigene KI-Software – quasi sich selbst – programmiert.

Dennoch denke ich nicht, dass die Mehrzahl der Menschen schon in naher Zukunft keine Jobs mehr finden werden, denn es werden auch Anpassungen an sich ändernde Gegebenheiten stattfinden. Mit jeder technologischen Innovation gingen schon immer kleine und große Verschiebungen der Arbeitsmärkte, Tätigkeitsfelder, Berufsbilder und auch Gesellschaftsstrukturen einher.

Ich zweifle heute aber keine Sekunde daran, dass Computer – technisch wie auch immer geartet – zukünftig jedwede Aufgabe jedweder Lebens- und sogar Wissenschafts- und Forschungsbereiche werden übernehmen können. Und sie werden darin in jeder Hinsicht besser sein als ein Mensch mit seinen heutigen Fähigkeiten es je wird sein können.

Wir Menschen werden deshalb stark dazu tendieren, uns zu 100 Prozent auf ihre Entscheidungen und die von ihnen kommenden Informationen zu verlassen. Und sie kaum noch hinterfragen oder gar nachvollziehen können. Es ist schon im jetztigen Stadium Entwicklern von KI oft nicht mehr klar, warum die Maschine diese oder jene Entscheidung getroffen hat. Dennoch findet sie Lösungswege, wie ein Mensch sie wohl niemals gefunden und erdacht hätte.

Mindestens in dieser Hinsicht ist also die vor nicht allzu langer Zeit Science-Fiction-mäßig anmutende totale Herrschaft der Maschinen heute durchaus denkbar geworden.

Im Moment werden es in erster Linie wohl vielfach noch rein ökonomische Entscheidungen sein, ob es sich lohnt, die Bearbeitung von dieser oder jener Aufgabe einem Automaten zu überlassen. Je weitreichender die Eingriffe in unser Leben zukünftig jedoch werden, desto mehr und öfter werden auch ethische Faktoren Einfluss auf den Einsatz von KI haben (müssen).

Sonst sieht die Menschheit vielleicht irgendwann in naher oder ferner Zukunft auch eine moderne Neuauflage der Maschinenstürmer des neunzehnten Jahrhunderts.

Daniela: Sven, vielen lieben Dank für das nette und spannende Gespräch. Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg bei deinen Projekten und dass du in den nächsten Jahren noch nicht von einer KI ersetzt wirst ?!

Daniela Kloth verantwortet als Head of Marketing die konsequente Ausrichtung der semcona GmbH mit ihren Smart Relevance Solutions an den Bedürfnissen des Marktes. Als erfahrene Medienmanagerin verfügt sie über umfangreiches Know-how im Onlinemarketing, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Bereich Social Media Marketing. Im semcona Blog beschäftigt sie sich intensiv mit den Themen Context Marketing, Cognitive Computing sowie Smart Data.