Höher, schneller, weiter – der Mensch will sich selbst übertreffen. Doch das menschliche Gehirn stößt „schnell“ an seine Grenzen. Cognitive Computing kennt diese nicht.

Wie wäre es mit einer Künstlichen Intelligenz, die in Echtzeit Situationen erfasst und entsprechend agiert. Eine Künstliche Intelligenz, die aus Erfahrungen lernt und diese beim nächsten Mal entsprechend abrufen bzw. weiterentwickeln kann. Eine Künstliche Intelligenz, deren Gehirn nie aufhört zu arbeiten, alle Informationen wie ein Schwamm aufsaugt und die nichts vergessen kann. Eine Künstliche Intelligenz, welche also alles allumfassend abwägt, ohne von Emotionen abgelenkt zu werden?

Klingt vielversprechend? Dann geben wir dem Ganzen einen Namen: Cognitive Computing!

Mit dem rasanten Fortschreiten der Technik wird häufiger über Themen wie Cognitive Computing, Big Data bzw. Smart Data, Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz oder Machine Learning gesprochen. Schon vor zwei Jahren haben wir die selbstlernenden IT-Systeme kurz vorgestellt und versucht, einige Begriffe wie das Web 4.0 zu erläutern und die Systeme haben sich beständig weiterentwicklet. Daher werden wir uns dem Thema Cognitive Computing in diesem Beitrag ausführlicher zuwenden. Denn wir als semcona wenden gemeinsam mit unserem Partner MORESOPHY Cognitive Computing bereits in unserer täglichen Arbeit an und nutzen diese für unsere Anwendungsfelder SRR, SRO und SRA. Cognitive Computing gelang 2011 der mediale Durchbruch. Damals gewann IBMs Supercomputer Watson, welcher auf Cognitive Computing basiert, Jeopardy!.

Cognitive Computing – Was ist das?

„Kognitiv“ ist die menschliche Fähigkeit, die Umwelt wahrzunehmen und diese Informationen zu speichern sowie daraus zu lernen und Rückschlüsse zu ziehen, um in einer Situation das Gelernte abzurufen und entsprechend anwenden zu können. Wir sind ebenfalls in der Lage, vorausschauend zu handeln und zu denken.

Cognitive Computing bezeichnet die Fähigkeit von Maschinen, wie ein menschliches Gehirn zu agieren. Voraussetzung dafür ist Deep Learning oder auch Machine Learning. Wie der Mensch auch, hat die Maschine zunächst keine Information und kennt somit auch keine Lösungen. Durch Erfahrungen lernt sie dazu und kann lösungsorientiert handeln.

Warum braucht es Smart Data

Jeden Tag strömen unzählige Informationen auf unser Gehirn ein. Einige nehmen wir nicht wahr, andere halten wir für unwichtig, wieder andere speichern wir. Bisher ging es den Informationssystemen von Unternehmen genauso. Der Fortschritt schreitet voran, sodass wir mittlerweile in der Lage sind, diese unvorstellbar großen Datenmengen, also Big Data, zu speichern, zu analysieren und zu verarbeiten. Maschinen können durch Cognitive Computing diese Daten aufbereiten, verstehen, anreichern, Smart Data generieren und schlussendlich eine Handlungsempfehlung ausgegeben. Beispielsweise sind wir somit fähig, Rückschlüsse und Zukunftsprognosen auf das Kunden- oder Marktverhalten zu ziehen oder Kriminalität vorherzusagen.

Weitere Anwendungsgebiete von Cognitive Computing

Der Arzt kann anhand der Symptome Krankheitsbilder vom Computer identifizieren lassen und eine patientenorientierte Behandlung vorgeben. Auch Bilder können durch die Maschine erkannt und Rückschlüsse auf die Krankheit gezogen werden.

Wenn wir eine Hotline anrufen, spricht schon jetzt häufig zunächst eine Computerstimme mit uns. Sie hilft uns bei einfachen Problemen und weist uns ggf. einen Servicemitarbeiter für die detaillierte Klärung zu. Auch in Chats oder in sozialen Netzwerken schreiben wir schon oft mit einem Bot – teilweise unbemerkt.

Vor allem wenn ihr bei Google eingeloggt seid und die Suchmaschine nutzt, werdet ihr einen Unterschied in den Suchergebnissen im Vergleich zu den Vorjahren feststellen. Sie sind auf eure Interessen und Bedürfnisse ausgelegt, sodass ihr nur relevante Ergebnisse erhaltet.

Ähnlich ist es beim E-Commerce. Entsprechend eurer digitalen Spur erhalten ihr Informationen zu passenden Produkten. Auch der Kundenberater kann aufgrund eurer Nutzerprofile und -verhalten für euch detaillierte und aussagekräftige Kundenprofile erstellen und so eine zielgerechte Ansprache und Angebote ermöglichen.

Voraussetzungen für Cognitive Computing

Um dies zu ermöglichen, muss die Künstliche Intelligenz nicht nur die aktuelle Situation begreifen und aus dem Erlernten heraus handeln, sondern auch sich selbst hinterfragen und reflektieren. Eine Information kann schnell veralten oder durch die Anreicherung von weiteren Informationen in einem neuen Kontext stehen. Die Maschine muss also in Echtzeit reagieren und gleichzeitig immer wieder neu denken. Eine weitere Herausforderung ist das Erkennen der verschiedenen Kommunikationsmittel, verbal wie nonverbal. Zudem muss die Künstliche Intelligenz auch Zweideutigkeiten sowie den Context verstehen können.

Ist Cognitive Computing eine Gefahr?

Der Mensch möchte immer mehr und vor allem sein Können unter Beweis stellen. Geschichtlich betrachtet oft nicht zum Wohle der Gesellschaft. So entstammen die meisten Fortschritte und Verbesserungen der Militärforschung.

Für die Künstliche Intelligenz bedeutet es, dass sie ebenfalls die Komponente Moral in ihrer Analyse der Informationen betrachtet muss. Auch dem bewussten Streuen von Falschinformationen („Fake News“) muss frühzeitig entgegengesteuert werden, da die Maschine zunächst richtig und falsch nicht unterscheiden kann.

Eine weitere, häufig auftauchende Befürchtung besteht darin, dass es den Menschen nicht mehr braucht, wenn Cognitive Computing Systeme weit fortgeschritten sind.

Unabhängig, welchen Teilaspekt im Internet der Dinge wir betrachten, sollte der Mensch einmal aus der Vergangenheit lernen und sein Können zum Wohle der Menschheit einsetzen. Maschinen sollen uns das Leben erleichtern. Sodass wir den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben schärfen können und Cognitive Computing somit zu unserem Wohl eingesetzt wird.

Jenny Mittrach ist Projektmanagerin bei der semcona GmbH. Zu ihren Verantwortungsbereichen zählen das Community Management und die Konzeption von Social Media Projekten sowie die Betreuung von Projektpartnern.