Autonomes Fahren, Roboter und Lieferdrohnen waren neben Entwicklungen, wie AR, KI, 5G oder SRO, die Leitbegriffe der CeBIT als Schaufenster der Zukunft, die man so bald nicht mehr kennen wird.

Das Land der aufgehenden Sonne war diesmal in Hannover zu Gast und hatte reichlich Innovationen im Gepäck. Etwa 120 Unternehmen aus dem CeBIT-Partnerland Japan präsentierten zahlreiche Produkte für Konsumenten und natürlich neuste digitale Technologien für Unternehmen, die dem Messemotto d!conomy – no limits“ gerecht wurden. Anders als hier, gehören Roboter in Japan schon längst nicht mehr nur in Fabriken, sondern sind im Alltag bereits weit verbreitet – ja teilweise schon fast Standard.

Die futuristisch anmutenden Humanoiden sind vielfältig einsetzbar: Sie weisen beispielsweise in Flughäfen Reisenden den Weg zu ihrem Gate und geben Touristen Auskunft. Dank mehrerer integrierter Sprachen übersetzen sie sogar das gesprochene und geschriebene Wort. In der Medizin sind Roboter zum Beispiel bei der Unterstützung von Rehamaßnahmen oder in Krankenhäusern hilfreich. Sie betreuen etwa Patienten mit einfachen Anfragen und wirken so den negativen Effekten einer überalternden Zivilisation entgegen. Deutlich schlauer als die in Europa gerade angekommenen Sprachassistenten agieren diese künstlichen Wesen als persönliche Assistenten und verrichten u.a. einfache Hausarbeiten. Noch weiter treibt es der Roboter „Pepper“, der dieses Jahr auf einer der CeBIT-Bühnen als Interviewpartner auftrat.

CeBIT Highlights: Neue digitale Assistenten

Neben den auch optisch als Roboter wahrnehmbaren Assistenten gab es natürlich auch auf der rein digitalen Ebene einige Neuheiten. Nach Apple, Google, Amazon und HTC hat nun auch Samsung seinen eigenen digitalen Assistenten „Bixby“ vorgestellt. Dieser soll mittelfristig in allen Geräten des Elektronikkonzerns aus Fernost eingesetzt werden. Wo wir schon bei Künstlicher Intelligenz und Smart Data sind, muss natürlich an dieser Stelle auch IBM angesprochen werden, an deren Messestand es die neusten Einsatzgebiete ihres Supercomputers Watson eindrucksvoll präsentiert wurden. Ob in Form des bereits oben erwähnten „Pepper“ als hilfsbereiten Bankangestellten oder im intelligenten, autonom fahrenden „Olli Bus“. Was wir bei unserem Besuch auf der CeBIT leider nicht herausfinden konnten, ist das aktuelle Verhältnis zwischen Watson und SOPHY, wir hatten ja neulich über SOPHY‘s Flucht aus dem KI-Labor berichtet.

Bei so viel Robotern, Cognitive Computing und KI dürfen wir natürlich die menschlichen, mahnenden Worte von Kanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der Technologiemesse nicht vergessen: „Man müsse alle Menschen bei der Digitalisierung des Landes mitnehmen.“ Da wirkt es schon fast wie eine Anspielung auf die Digitale Kompetenz unserer Bundesregierung, wenn auf der CeBIT nicht mehr nur über neue Kommunikationspakete für den Mobilfunk im sich offensichtlich digitalisierenden Deutschland vorgestellt werden, sondern Vodafone bereits über LTE für den Mond spricht. Schon fast wie ein Hilfeschrei wirkt dann die Aussage von Oliver Grün, Präsident des Bundesverbands IT-Mittelstand, der ein eigenes Digitalministerium fordert. Momentan sei die Entscheidungskompetenz in diesem Feld auf zu viele Ministerien verteilt – wen wundert es dann, dass wir noch nicht „alle Menschen“ mitgenommen haben. Außerdem soll seiner Meinung nach Digitalkunde zukünftig in Grundschulen unterrichtet werden.

Edward Snowden spricht auf der CeBIT 2017 über Sicherheit

Auch Whistleblower Edward Snowden war mit Liveübertragung für den Vortrag „Datasecurity and Privacy in the Age of Surveillance“ Teil der CeBIT 2017.

Diverse Hackerangriffe, Datenskandale und die Enthüllungen von Snowden sorgten für ein neues Bewusstsein zum Thema Sicherheit. Spezialisierte Firmen bieten Hard- und Software an, die private und professionelle Anwender vor Angriffen schützen soll. Angefangen mit Security-Programmen gegen Viren, Trojaner und Phishingattacken reicht das Portfolio bis zu smarten Überwachungskameras für den Hausgebrauch. In dem Zusammenhang war natürlich auch die Onlinewährung „Bitcoin“ ein relevantes Thema für die Messebesucher. Bitcoins sind derzeit nur schwer zu bekommen und das gesamte System ist für viele noch undurchsichtig. Hier sollen zukünftig „Geldautomaten“ für die Kryptowährung die Transaktionen und den Erwerb vereinfachen.

Neues bei Routertechnik und Smart-Home

Künstliche Intelligenz gewinnt zunehmend auch in Alltagsgeräten wie Fernsehern, Staubsaugern, Kühlschränken, Waschmaschinen und vielem mehr enorm an Bedeutung. Doch dem nicht genug: Zukünftig sind Toiletten und Badezimmer in Hotels ebenfalls mit smarter Technik ausgestattet und melden sich, wenn beispielsweise das Toilettenpapier verbraucht ist. Selbst in Städten steigt der Komfort durch den Einsatz von KI. Der künftige Netzstandard und LTE-Nachfolger „5G“ wird hier Grundvoraussetzung für das Funktionieren vieler Geräte, vor allem im Bereich der Automatisierung. Auf der CeBIT zeigen Anbieter schon heute verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für 5G.

Connected Cars und mehr

Wer den Mut hat und die Welt der fahrerlosen Fahrzeuge selbst testen will, hatte auf der CeBIT 2017 Gelegenheit dazu. Oben schon erwähntes autonom fahrendes Shuttle ist nur ein Ansatz, der von Unternehmen wie Intel, Audi und IBM sowie zukünftig offensichtlich auch von Honda, Toyota und weiteren zu einer Revolution des persönlichen Transports führen soll. Höher, schneller, weiter – der olympische Gedanke gilt insgesamt für das Transportwesen auf der letzten Meile, wo auch Drohnen eine nicht unbedeutende Rolle spielen.

Die Digitalmesse wird zum Innovationsfestival

Das war sie – die letzte klassische CeBIT, die seit 30 Jahren das Mekka der IT-Industrie war. Ab 2018 verspricht man ein Innovationsfestival für Digitalfans – die CeBIT erfindet sich neu. Dazu gehört auch, dass wir nicht mehr in kalten norddeutschen Frühjahrsnächten von den Standpartys zum Hotel frösteln, sondern laue hannoversche Sommernächte für ein Networking unter Sternenhimmel nutzen können. Vom 11. bis 15. Juni 2018 erwartet die Besucher ein New-Tech-Event mit Konferenz und Networking in neuen Formaten. „Die Digitalisierung durchdringt unser Leben und verändert ganze Branchen – die neue CeBIT richtet sich daran aus“, sagt Oliver Frese, Vorstand der Deutsche Messe AG.

Ab 2018 hat die CeBIT drei Bereiche: d!conomy wird das Leitevent für die Digitale Transformation in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung. Bei d!talk setzen internationale Sprecher und Visionäre die digitale Agenda von morgen. Und d!tec führt Entscheider, Kreative und disruptive Technologien zusammen.

CeBIT 2018: Im Mittelpunkt der Open-Air-Campus

Das Herz der neuen CeBIT schlägt auf dem Open-Air-Campus in der Mitte des Messegeländes in Hannover. In den Hallen präsentieren sich Unternehmen und Start-ups mit ihren Geschäftsmodellen. Im Freien erwarten die Besucher Showcases, Street Food und Musik – bis spätabends. Oliver Frese ergänzt zur Zukunft der CeBIT: „Entscheider und kreative Digital Natives kommen in einer ungezwungenen, einzigartigen Atmosphäre zusammen. Wir freuen uns, dieses neue Veranstaltungsformat in den nächsten Monaten mit unseren Partnern zu gestalten.“

Das Ziel der Veranstalter ist hoch gesteckt: Die wichtigste Plattform für die Digitale Transformation in Europa werden und die Erfolgsgeschichte der CeBIT fortschreiben. Wir sind gespannt und werden berichten, wie die Geschichte von Watson, SOPHY und Smart Data auch mit dem neuen Messekonzept weitergeht.

Robert Wauer

Robert Wauer ist Geschäftsführer der semcona GmbH. Gemeinsam mit seinem Team beschäftigt er sich mit dem Thema Semantik und reichert verschiedene Analysetools mit linguistischen Verfahren an, um eine Klassifizierung von unterschiedlichsten Quelldaten für definierte Ausgabeeinheiten wie bspw. semantische Suchmaschinen oder Trend-TagClouds zu ermöglichen sowie um semantische Themenportale und semantische Online-Werbemittel zu erstellen.