Die hub conference steht wie kaum eine andere deutsche Veranstaltung für Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz sowie einen bunten Mix aus Start-up und Expert-Talk.

„Why Artificial Intelligence is like Teenage Sex“ – Kein „click bait“, sondern ein echter, analoger Vortrag auf der hub-Conference 2016 in Berlin. Silvan C. Rath, CEO von predict.io lockte in den bezeichnenderweise roten Vortragssaal.

 Why Articifial Intelligence is like Teenage Sex

Und der war proppenvoll. Angereist war ich mit großer Neugierde und einem Kollegen auf freundliche Einladung vom Veranstalter als, zugegebenerweise, schon etwas älterer und vielleicht gerade deshalb vielversprechender Start-up.

Was erwartet man von einer „Digitalkonferenz“, die sich u. a. mit künstlicher Intelligenz und, wen wundert es, der Digitalen Transformation beschäftigt? Die einfache Antwort: Einen Blick auf Innovationen und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhaschen. Und Anregungen… Ob Deutschland in diesem digitalen Konzert bereits jetzt eine prominente Geige spielen kann, ist nach diesem einen Tag schwer zu beurteilen. Es gibt definitiv vielversprechende Entwicklungen im Lande, die bereits die Großen der Digitalbranche nach Deutschland gelockt haben.

Hier nun beispielhaft einige Themen, die sowohl mich persönlich als auch meine Kolleg(inn)en und meine Familie täglich beschäftigen.

Von digitaler Transformation zur digitaler Revolution

Von digitaler Transformation zu digitaler Revolution

Nach all den Jahren, in denen uns die Tigerstaaten als Maß aller Dinge vorgehalten wurden, mit einem verhältnismäßig kurzen Intermezzo in Südamerika ist jetzt, endlich, Afrika in den Blickpunkt der digitalen Öffentlichkeit gerückt. Durch Kriege und Krisen jahrzehntelang in seiner Entwicklung behindert, hat der Kontinent mal eben das, was in Deutschland der aktuell letzte Schrei ist, rechts überholt: Die digitale Transformation.

Ein Kontinent, der mit einem hohen Grad an Kreativität den Mangel an Infrastruktur wettzumachen beginnt, macht sich langsam auf den Weg, sein Potenzial an Mensch und Intellekt zu nutzen. Hier greifen Hilfsprogramme unserer Bundesregierung und helfen, diesen Quantensprung zu fördern. Das ist alleine schon deshalb sinnvoll, um die Lebensbedingungen vor Ort langfristig zu verbessern. Hilfe zur Selbsthilfe. Und ganz opportunistisch: Deutschland ist bereits in der Vergangenheit immer an starkem Wettbewerb gewachsen.

Predictive Analytics: Wenn die Realität die Fantasie überholt

How to find predictive analytics use cases

Im Allgemeinen ist es nicht zwingend ratsam, ein Produkt zu entwickeln und erst dann verzweifelt nach Anwendungsmöglichkeiten zu suchen oder, was viel unlogischer ist, zu versuchen, dieses Produkt ohne blaue Flecken in einen Wald von Regularien zu pflanzen.

Menschliches Verhalten aus einem teils unstrukturierten Datenstrom zu extrapolieren, um dann, mit hinreichend präziser statistischer Genauigkeit daraus mögliche Motivationen z. B. für den Produktkauf abzuleiten, ist ein Vorhaben, dem viele berechtigte, aber auch einige übertriebene Bedenken entgegenstehen. Vom BDSG mit der eindrücklichsten aller Regeln, der Datensparsamkeit (§ 3a BDSG), über die Europäische Datenschutzrichtlinie bis zur Sanktionierung bei Vergehen durch GDPR gewürzt u.a. mit dem allseits bekannten „Cookie Law“ gibt es hier schon einige Tretminen. Diese dienen zwar den Schutz der Privatsphäre des EU-Bürgers, sind aber besonders für Analytiker und Werbetreibende echte Spaßbremsen. Und sie gelten teilweise nicht für den Rest der Welt, der, im Gegensatz zur EU digitales rapid prototyping ohne Rücksicht auf (Daten-)Verluste betreiben kann.

Während des gesamten Workshops zu diesem Thema lächelte mich ein Slide mit dem Titel: „How To Find Predictive Analytics Use Cases“ an. Etwas spät, sich diese Frage zu stellen? Es bleiben dann ja immer noch zwei Möglichkeiten:

  • Lobbyarbeit zum Ändern der Gesetze. Das kann dauern!
  • Entwicklung von gesetzeskonformen Lösungen, die es u. a. Werbetreibenden ermöglichen, unter Einhaltung all dieser Regularien die mögliche Motivation der Konsumenten dann zu verstehen, wenn er sie hat.

Natürlich gibt es Anwendungsmöglichkeiten, die einen Nutzen haben, der über das Kommerzielle hinaus geht. Aber dann bitte auch ohne die Verwendung von Identitäten!

Ist Deutschland auf die „digitale Disruption“ vorbereitet?

Ist Deutschland auf die digitale Disruption vorbereitet?

Die Antwort auf die Frage, ob Deutschland auf die digitale Disruption vorbereitet sei, gab der Vortragende der KPMG schon bei seiner click bait im Programm: „TECH ATTACK“ in Schreischrift. Damit scheucht man schon mal einen Teil des Publikums aus dem Raum. Zum Glück hatten wir es hier mit Fachpublikum zu tun. Das blieb sitzen. Obwohl die Fachbesucher nicht zwingend vom Fach waren. Man war nicht nur unter sich… (-; Aber mal ernsthaft: Eine Gesellschaft, die für einen evolutionären Vorgang, die Digitalisierung, einen Begriff erfinden muss, der im Ausland Unverständnis hervorruft (Digitale Transformation), eine Gesellschaft, deren erster Impuls auf Veränderung Angst und nicht Neugierde ist, eine Gesellschaft, deren Unternehmen eine eigene Plattform zum besseren Verstehen dieses Themas benötigen, oder besser gleich noch eine zweite ist nicht vorbereitet. Punkt. Dazu benötigte Deutschland einen Schub, der auch diejenigen mitnimmt, die NICHT in der digitalen Branche zu Hause sind. Kein Mensch wird Technologie nutzen, die nicht für den Menschen ist.

Und hier schließt sich der Kreis.

Demjenigen, der als Jugendlicher noch verschämt durch die BRAVO geblättert hat, ist das zarte Herantasten an das andere (oder auch gleiche) Geschlecht durchaus noch erinnerlich. Es ist schon irgendwie alles aufregend. Und alle haben „es“ nach eigener Aussage oder der von Dritten schon getan. Oder wollen „es“ gerne tun. Man nutzt Worte, über deren Bedeutung man sich nicht im Klaren ist und tut Dinge, über deren Folgen man sich nicht im Klaren ist. Eines ist jedoch gewiss: Wer es nicht versucht, wird es nicht herausfinden!

Jürgen Schulze ist Beirat von semcona und einer der drei geistigen „Mütter/Väter“ von SRA. Er blickt zurück auf über 30 Jahre Informationstechnologie in verschiedenen internationalen Management- und Executive-Positionen u.a. bei TechData, Symantec und CA Technologies. Seit 15 Jahren bewegt er sich vornehmlich im Bereich der Informationssicherheit u.a. mit TecHarbor B.V.