Ein kleiner Bäcker hat vergangene Woche mit seiner #lidllohntnicht Protestaktion deutschlandweit Aufmerksamkeit erhalten. Wir haben uns die Kampagne mal genauer angesehen.Mit der vor etwa zwei Wochen gestarteten neuen Image-Kampagne versucht LIDL, den Schwerpunkt auf die Qualität der angebotenen Produkte zu legen und damit weg vom „billigen Discounter-Image“ zu kommen. Dabei stehen jede Woche andere Angebote im Fokus. Diese Woche steht beispielsweise unter dem Credo „Woran erkennt man eigentlich gute Schokolade“.

In der vergangenen Woche ging es bei der LIDL Qualitätsoffensive hingegen um „gutes Brot“. Dies nahm Bäckermeister Stefan Richter, Inhaber einer kleinen Bäckerei im beschaulichen Kubschütz bei Bautzen, zum Anlass für dieses Bewerbungsschreiben.

Durch seinen kreativ-provokativen Schreibstil, der ehrlich und argumentativ sehr gut seinen eigenen Standpunkt darstellt, sowie den sehr geschickt gewählten Hashtag #lidllohntnicht verbreitete sich das Posting mit einer unglaublichen Dynamik im Social Web. Nach nur vier Tagen wurde der Beitrag bei Facebook bereits über 5.800-mal geteilt, erhielt knapp 8.900 Likes und mehr als 600 Kommentare. Sein Tweet wurde immerhin10-mal retweetet. Auch außerhalb des sozialen Netzwerkes verbreitete sich sein fiktives Bewerbungsschreiben sehr schnell. Eine Kurzanalyse mit unserem Social Media Monitoring Tool hat uns gezeigt, dass, abseits der Interaktionen mit seinen eigenen Postings, innerhalb von nur 5 Tagen insgesamt fast 700 Beiträge zu dieser Aktion generiert wurden. Zahlreiche Medien, wie SternW&V, mopo oder BILD berichteten ebenfalls über den Bäckermeister aus Ostsachsen.

Das Beispiel des Bäckermeisters Stefan Richter zeigt, dass sich auch für kleine Unternehmen Social Media – auch ohne Mediabudget – sehr lohnen kann, wenn sie die Gunst der Stunde zu nutzen wissen. Das Zauberwort dabei lautet Content bzw. Context Marketing. Stefan Richter hatte sich bereits früher durch sein permanentes Engagement im Social Web auch außerhalb seines primären Einzugsgebietes einen Namen gemacht. Durch sein Posting hat er nun bei Facebook über 2.000 neue Fans gewonnen und durch die Medienberichte deutschlandweite Aufmerksamkeit erhalten.

Richter Fanentwicklung

Bildquelle: Screenshot Facebook

Doch auch außerhalb von Social Media ist der Bäckermeister sehr aktiv. Er betreibt handwerksbrot.de – eine Website, die wir schon fast als „Themenportal“ bezeichnen könnten. Es werden hochwertige Informationen und Bilder rund um das Thema „Brot“ veröffentlicht. Auch hier wird sehr kreativ mit der deutschen Sprache umgegangen – „Brot Couture“ ist dafür nur ein Beispiel. Es macht einfach Spaß sich auf der Website zu informieren und einen Einblick in eine der ältesten Handwerkskünste zu erhalten.

Unser Fazit lautet deshalb: Es sind nicht unbedingt die großen Budgets, die für einen Erfolg im Social Web quasi unumgänglich sind. Vielmehr geht es um spannende Geschichten, die zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle veröffentlicht werden. Dafür ist nur etwas kreatives Geschick und Verständnis für den aktuellen Zeitgeist vonnöten.

 (Bildquelle: Depositphotos.com / Wavebreakmedia)

Daniela Kloth verantwortet als Head of Marketing die konsequente Ausrichtung der semcona GmbH mit ihren Smart Relevance Solutions an den Bedürfnissen des Marktes. Als erfahrene Medienmanagerin verfügt sie über umfangreiches Know-how im Onlinemarketing, der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Bereich Social Media Marketing. Im semcona Blog beschäftigt sie sich intensiv mit den Themen Context Marketing, Cognitive Computing sowie Smart Data.